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Wurde Metroid: Other M zu hart bewertet? Ein Rückblick nach 16 Jahren

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Sechzehn Jahre sind in der Videospielgeschichte eine halbe Ewigkeit. Konsolen altern, Steuerungen entwickeln sich weiter und Meinungen, die früher unumstößlich wirkten, geraten ins Wanken. Gerade weil es in Deutschland immer noch eine große Retro- und Nintendo-Community gibt, ist jetzt ein guter Moment für einen Gaming-Blog, um noch einmal auf Metroid: Other M zu blicken – ein Titel, der mehr als ein Jahrzehnt lang als Sorgenkind im Nintendo-Katalog galt.

2010 war der Release keineswegs ein Totalausfall. Die ersten Kritiken waren eher positiv und die Neugier war groß. Probleme tauchten erst auf, als spieler:innen begannen, Samus Aran nicht nur als Controller-Avatar, sondern als Figur wahrzunehmen. Statt der coolen und unabhängigen Kopfgeldjägerin, die viele Fans seit NES-Zeiten im Kopf hatten, begegnete man einer weicheren, unsichereren Version von Samus.

Sie orientierte sich auffällig oft an ihrem ehemaligen Vorgesetzten Adam Malkovich. Für manche fühlte sich das weniger wie Charakterentwicklung, sondern eher wie Batman an, der Alfred um Erlaubnis bittet, einen Schlag zu landen.

Ein mutiges Experiment, das nicht ganz zündete

Die Story spielt zwischen Super Metroid und Metroid Fusion und schickt Samus mit einer Einheit der Galaktischen Föderation auf die Bottle Ship. Aufwändig inszenierte Zwischensequenzen sollten ihre Gefühlswelt zeigen, im Gameplay wechselte ihr zwischen Third-Person-Action und Ego-Perspektive beim Zielen. Die Steuerung war wieder minimalistisch, fast schon nostalgisch und erinnerte an ältere Nintendo-Designs. Das Team hat definitiv Risiken eingegangen, statt sich auf Bekanntes zu verlassen.

Der Kontext hat dem Spiel dennoch nicht geholfen. Die hier gezeigte Samus passt einfach nicht zu der abgehärteten Kämpferin, die ihr zu diesem Zeitpunkt erwartet habt. Wäre die Geschichte als Prequel erzählt worden, hätten sich viele Kritiken vielleicht erledigt – ähnlich wie Tomb Raider 2013 mit einer jüngeren Lara Croft funktionierte.

Auch heute noch wirkt Metroid: Other M stellenweise unbeholfen, aber es als totalen Fehlschlag abzutun, greift zu kurz. Hinter sperrigen Dialogen und strukturellen Schwächen steckt ein eigenwilliges, ambitioniertes Experiment, das weniger wie ein Franchise-Bruch und mehr wie ein mutiger, aber gescheiterter Versuch wirkt. Selbst Samus hätte vielleicht eine zweite Chance verdient.

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